Die dünne Decke der Rationalität

Manche Menschen, so wie ich, geben sich der Illusion hin, sie könnten rationale Entscheidungen fällen und durchhalten. Man entscheidet sich rational für einen Lebensentwurf und solange diese Entscheidung nicht auf die Probe gestellt wird, ist alles gut, hält man sie durch.

Dann aber wird sie auf die Probe gestellt und ganz bewusst, obwohl man sich rational dagegen entschieden hat, tut man Dinge die man sich nie zugetraut hätte, verletzt die selbstgestellten moralischen Ansprüche, lügt und betrügt obwohl man sich geschworen hatte loyal und integer zu sein. Eine Woge aus Gefühlen und verlockenden Reizen bricht über einen hinweg und obwohl man weiß dass diese Woge das ganze bisherige Leben in Stücke schlagen könnte, durchtrennt man selbst die Sicherungsseile, die einen mit dem vertrauten bisherige Leben verbinden.

Das alles bedeutet so viel Leid und Schmerz. Wenn ich eine Möglichkeit hätte, diese Woge aufzuhalten und sei es mit Hilfe von Eingriffen in die Chemie im Gehirn, ich würde es wahrscheinlich tun, ich würde zugunsten rationaler Entscheidungen meine Gefühle abschalten. Wahrscheinlich ist es gut, dass ich das nicht kann, ich würde meine Menschlichkeit verlieren.

Was die Zukunft bringt liegt im Ungewissen, ob die Woge mich wegspült oder nicht auch, noch hänge ich an einem Seil.

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2 Gedanken zu “Die dünne Decke der Rationalität

  1. Rational wäre wohl, sich ab einem bestimmten Punkt keine Gedanken mehr zu machen und es einem anderen zuzugestehen, am eigenen Schicksal mitzuwirken. Halt drüber reden. Klingt einfach, ich weiß. Das ewige Gedankenmachen gibt dem Leben eine Schwere und Unbeweglichkeit, die unerträglich ist.

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